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Freundschaft: wie entsteht sie und wie stärkt man sie?


Ihr Kind geht 5 Tage die Woche zur Schule und verbringt dort 4 bis 7 Stunden des Tages gemeinsam mit hundert anderen Kindern. Da wird gespielt, sich ausgetauscht, die Kinder vergleichen sich, messen ihre Kräfte, diskutieren, streiten, haben sich wieder lieb und lernen voneinander. Manche Kinder sind laut, andere leise. Manche sind mutig, andere vorsichtig. Manche suchen die Menge, andere sind lieber für sich. Manche geben gerne an, andere trauen sich kaum was zu. Manche lachen viel, andere sind ernst. Manche lernen gerne, andere weniger. Manche haben viele Freunde, andere nur wenige. Manche knüpfen schnell Freundschaften, andere nur schwer. Alle sind unterschiedlich oder jedes einzigartig.


Freundschaft entsteht dort, wo wechselseitig Sympathie besteht, also dort wo sich zwei oder mehr sich mögen. Dafür braucht es Kontinuität und Nähe, man muss sich regelmässig sehen und gemeinsam eine Geschichte haben, gemeinsam was erlebt haben oder gemeinsame Interessen teilen. Vielleicht ist man sich auch in gewissen Punkten ähnlich. Freundschaft ist aber auf jeden Fall immer freiwillig: wir sind Freunde, weil wir das wollen. Freundschaften sind wichtig, denn sie machen uns glücklich, erfolgreich, psychisch und physisch gesünder und verlängern sogar die Lebenserwartung. Freundschaften helfen auch besser mit schwierigen Situationen oder Zeiten umzugehen. Wir Menschen suchen von Natur aus Anschluss. Freundschaften sind evolutionär wichtig, wer ausgeschlossen wurde war früher in Lebensgefahr. Der Mensch kam alleine nicht zurecht.


Kinder gestalten Freundschaften aber unterschiedlich. Das hängt auch stark mit den Entwicklungsphasen zusammen. Säuglinge beobachten sich gegenseitig, befühlen sich und trösten sich. Im Kleinkindalter kommt das gemeinsame Spielen und das Austauschen von Spielsachen dazu. Im Kindergarten werden Rollenspiele wichtig und die Kinder entwickeln ein Gefühl von Fairness und lernen auch mal zu verlieren. Im Grundschulalter entstehen Freundschaften aufgrund gleicher Interessen und im Jugendalter sind Freundschaften ein Weg der Ablösung vom Elternhaus und eine Hilfe bei der Identitätsfindung.


Als Eltern versteht man manchmal die Freundschaften nicht: «Was findet mein Kind an der/dem?» oder «Die passen doch gar nicht zusammen!» sind Sätze die durch den Kopf schwirren, wenn man sein Kind mit Freunden beobachtet. Doch Freundschaften dienen eben der Erweiterung seines Selbst. Man hat Gemeinsamkeiten, man ergänzt sich aber auch. Oft sucht man Freunde aus, die Fähigkeiten, Charakterzüge oder Persönlichkeiten haben, die man an sich selbst etwas vermisst. Aber manchmal sind Freundschaften auch wirklich toxisch.

Was tut man als Eltern, wenn man mitbekommt, dass dem Kind die Freundschaft nicht gut tut?

1. Gespräch suchen und eigene Beobachtungen mitteilen: «Mir fällt auf, dass du sehr um die Freundschaft von Anne kämpfst. Was magst du besonders an ihr?»

2. Zwiespalt bewusst machen: «Ich habe das Gefühl, dass sie immer bestimmen will. Wie siehst du das?»

3. Fragen stellen: «Gibt es auch Momente wo es dir unwohl wird?»

4. Verbündete suchen: «Geht es nur dir so oder auch anderen? Meinst du, du könntest mal mit den anderen reden?»

5. Handlungsmöglichkeiten überlegen: «Was könntest du tun, wenn Anne dich das nächste Mal wieder rum kommandiert?»

Sie können ihrem Kind helfen, eine gute Basis zu schaffen um gute Freundschaften aufzubauen. Freundschaften brauchen Zeit. Achten Sie darauf, dass ihr Kind genug freie Zeit zur Verfügung hat, um Freundschaften zu pflegen. Helfen Sie ihrem Kind Kontaktmöglichkeiten herzustellen, indem es zum Beispiel zur Schule läuft und auf dem Weg andere Kinder trifft, machen sie gemeinsame Ausflüge mit anderen Familien, lassen sie es auch mal bei Freunden übernachten. Sorgen Sie dafür, dass ihr Kind unverplante und unbeobachtete Momente hat und heissen Sie die Freunde ihrer Kinder willkommen.

«Kinder sollten möglichst oft mit anderen Kindern selbstbestimmt spielen können, altersdurchmischt, zigtausend Stunden. Für ihre Entwicklung ist dies eine Notwendigkeit.» Remo Largo

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